Sex im Advent

Nein, ich spreche nicht von einer Glühwein getränkten Verzweiflungsaktion nach einer Firmenfeier. Und überhaupt – wie komme ich auf das Thema! Das hier ist ein Blog über magisch Unsichtbares, Besonderes!

„Eben.“

Da spricht er, der „Übeltäter“. Franz von Walden, die kleine Rehbock Figur, die das erste Mal 2020 hier aufgetaucht ist. Übrigens Ende November und mich – uns – durch den Advent geführt hat mit seinen Übungen, den Vorbereitungen auf hierhin und dorthin, die aus „Sei freundlich zu Dir“, „Schau wirklich“, „Voller Fantasie schauen“ und „Suche die Magie“ bestanden. Und heute ist er zurück. Ich habe ihn zuerst bei der Runde mit der Hündin im kalten Regen gar nicht bemerkt. Habe mir nur gedacht: Was für ein Scheiss Wetter – Sorry. Und da hörte ich eine Stimme: Mädel, Mädel – alles vergessen?

Die Stimme erkannte ich sofort, auch den Ton in ihr . . . nur etwas spöttisch, auch frech und doch getragen von einer tiefen Sympathie. Und ja, als Single Frau im kalten Regen denke ich auch manchmal daran, dass niemand auf mich daheim wartet und schon das Frühstück vorbereitet . . ich schwöre, ich habe nicht dezidiert an Sex gedacht. Davon hat der Franzl gesprochen . .

„Und? Was kann ich dafür, dass ihr Menschen so eine eingeschränkte Vorstellung von Sex habt?“

Eingeschränkte Vorstellung? Jetzt wird´s aber lustig! Dass der mich in der Sekunde immer ärgern kann, denke ich und setzte schon zu einer feministisch geprägten, Welt- und auch Sex-offenen Rede an, als ich seine Augen sehe. Ihm wirklich in die Augen schaue und sehe, der grinst. Mein Ärger verpufft – erstaunlich wie er das macht – und ich frage ihn – jetzt auch lächelnd, wie sieht denn, Deine Vorstellung von Sex aus?

„Gute Frage. Wirklich gute Frage! Wie viel Zeit hast Du?“ Einen ganzen Sonntag lang . . . Er überlegt kurz und meint, dass wir die große Runde durch den Park machen sollten. „Erinnerst Du Dich an die Übungen im Advent vor vier Jahren über das Freundlich zu Dir sein und das wirklich Schauen, mit Fantasie und Magie? Das sind alles Bestandteile meiner Vorstellung von Sex.“ Ich bin erstaunt und verwirrt – was haben diese Ansichten, mehr noch Haltungen, um dem Zauber des Advents gerecht zu werden, mit Sex zu tun?

„Alles. Voraussetzung ist, dass Du aus diesen einengenden Vorstellungen aussteigst. Sex ist so viel mehr als zwei oder mehr nackte Körper auf- und ineinander!“ Er hat sich nicht verändert, schießt es mir durch den Kopf, direkt wie immer. Und natürlich „hört“ er das. „Gott sei dank, verändere ich mich nicht! Ich bin zeitlos, schon vergessen. Wie übrigens das, was ich unter Sex verstehe: eine Haltung dem Leben gegenüber und auch den Menschen: offen, bereit mehr zu sehen, als da scheinbar ist oder sein darf. Ja, Sex ist für mich auch die Magie suchen. In deinen Augen, auf deiner Haut. Mit allen Sinnen leben, heißt sie wahrnehmen meine Sinne, sie aktiv benutzen. Auch instinktiv.“

Ich höre zu und schweige. Kein Kommentar, es fühlt sich gut an, was er da sagt, in mir, meinem Körper, etwas in mir atmet aus. Mein Kopf ist skeptisch weil erschrocken, weil doch Advent und Sex, selbst im Sinne von „das Leben Wahrnehmen mit allen Sinnen“, nicht zusammen geht. Nicht zusammen gehen darf? Franzl bleibt unerwartet stehen und meint: „Wieso geht das nicht zusammen? Der Advent ist eine Zeit deines Lebens, die Dich genau daran erinnern soll, dass Du menschlich bist, im besten Sinne. Wurde nicht in Jesus etwas Göttliches als Mensch geboren? Als Mann. Wie immer seine sexuelle Orientierung war, da bin ich ganz offen . . . Tatsache ist, er wurde Mensch und somit ein sexuelles Wesen.“

Ach du liebe Zeit, wo bin ich da hinein geraten, am zweiten Adventsonntag, stehe ich bei Regen im Park und eine Rehbock erklärt mir, dass Jesus Sex hatte!? Wie komme ich da wieder raus? Franzl ist sichtbar amüsiert von meiner Reaktion. „Wieso Euch das Thema so viel Angst macht? So viele Gedanken . . . Vielleicht doch zurück zur ersten Übung?!“ Und er macht einen Schritt auf mich zu. Jetzt spüre ich seinen Körper, seine Wärme und schaue ihm in seine dunkelbraunen Augen, höre seine Stimme: „Die erste Übung: Sei freundlich zu Dir! Das bedeutet auch: Erlaube Dir DEINE Freude, worin sie auch immer bestehen mag. Nimm die Fantasie dazu und was, wen Du Dir auch immer vorstellst, wünschst, einlädst an diesem grauen Tag. Möge they, sie, er, es Dich schmunzeln, lachen, vor Genuss stöhnen machen . . .“

Mir wird fast schwindlig, angenehm schwindlig und ich rette mich mit einem laut ausgerufenen, schockierten: Franzl!

Er grinst und meint „Was? Ich spreche von Vanillekipferln.“

In diesem Sinn: Viel Freude 😉

Ein Gedanke zu “Sex im Advent

  1. ich finde dein Franzl hat vollkommen recht 😊 ….. was auch immer, sei freundlich zu dir selbst. Dies Leben ist da, um es zu genießen. Und gerade im Advent und in diesen schweren Zeiten….schmeiß Liebe, Freude und Licht wie Konfetti 😊

    Viel Spaß 😀

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