Advent. Magisch.

„Mädel, wie schau´ma aus?“

Ernsthaft? Das ist seine Begrüßung für mich. Da steht er wieder. Fünf – o.k. vielleicht sieben cm hoch – eine Rehbock Figur von Schleich – und spricht mich – eine erwachsene Frau! – mit Mädel an! Beinahe ärgere ich mich, doch dann erkenne ich sein Grinsen. Österreichisch für eine Art von Lächeln. In seinem Fall würde ich sagen: frech.

„Du machst Dich lustig über mich?“, frage ich ihn. „Nie“, lautet seine Antwort, wobei das Grinsen deutlicher wird – er meint auch das nicht ernst. Jetzt ist es soweit.

4. Advent – Sonntag, ich bin bewußt aufgestanden, habe mir während der Runde mit der Hündin noch Mal meine Aufgaben für den Advent in Erinnerung gerufen, die da waren SEI FREUNDLICH ZU DIR, BEWUSST SCHAUEN und VOLLER PHANTASIE SCHAUEN. Und ich habe mich geistig – seelisch auf meine vierte Aufgabe vorbereitet. War also konzentriert, ernsthaft bereit . . . Und dann das! Mädel, wie schau´ma aus?

Es würde zu weit führen, hier und jetzt zu erklären, was diese „Ansage“ alles bedeuten kann. Was es aber auch sein kann, ist eine plumpe Art der Kontaktaufnahme zwischen Mann und Frau. Und da meldet er sich wieder, mein eoischer Lehrmeister, Franz von Walden. Wieso vergesse ich nur immer wieder, dass er wie SHE the elephant, Gedanken lesen kann . . .

„Ich bin ein Mann.“

Gut. Auch das hat Franzl hiermit geschafft, ich bin vollends verwirrt. Der Franzl findet es offensichtlich amüsant und strahlt vor Selbstbewusstsein. „In welcher Form ich mich auch zeige, ich bin immer ein männliches Wesen.“

Viele Fragen explodieren in mir gleichzeitig, wie: was heißt das jetzt wieder „in welcher Form ich mich auch zeige“ – gibt es mehrere? – ist er also doch einfach nur ein Macho aus dem Salzkammergut? – ich dachte alle Eoischen sind weise, spirituelle Wesen? . . . All diese Fragen würden uns weiß Gott wohin führen, also frage ich laut: „Was hat das mit meinen Advent Aufgaben zu tun?“ Für einen Moment stutzt er, der Herr von Walden. Schüttelt sich bis in die Haar-Spitzen und meint , immer noch mit diesem Lächeln:

„Nichts. Und alles.“ Sehr kryptisch . . .

„Schau Mädel“ meint er jetzt versöhnlich,“im Advent, wie übrigens immer im Leben, geht es um Magie.“ Er kommt einer weiteren, leicht doofen Frage von mir zuvor und erklärt weiter. „Das ist auch deine 4. Aufgabe, die du mit allen anderen Aufgaben verbinden sollst. SUCH DIE MAGIE. Magic Moments, wie SHE sagen würde, geschehen entgegen der landläufigen Meinung nicht einfach so. Mensch muß dafür bereit sein. Sie erkennen können und dann zulassen. Für das Erkennen ist es wichtig, bewußt und phantasievoll sehen zu können. Wirklich Hinschauen. Und für das Zulassen ist entscheidend, dass Du Dich magst. Dass Du freundlich und wertschätzend zu Dir bist und daran glaubst, dass Du so einen Moment verdient hast. Ansonsten boykottierst Du Dich selbst, schiebst deinen Verstand vor, oder die Moral und sagst dir, dass es das 1. nicht gibt und sollte es 2. doch möglich sein, dann gibt es das nicht für Dich . . . Magic Moments.

„Aber“, ja ich habe da noch eine kritische Anmerkung, „was hat Magie mit Advent zu tun?“

Jetzt lacht er herzlich. Ich wußte nicht, dass es möglich ist, aber Rehböcke können lachen. Und er verwendet es natürlich wieder . . . „Mädel, Mädel. Worum geht es denn bitte sonst im Advent, der Vorbereitungszeit auf Weihnachten? Was passiert denn da zu Weihnachten, wenn nicht etwas Magisches? Und selbst wenn wir die Geschichte von der Geburt Christi weg lassen, ist da Magie. Die Tage werden wieder länger, die Sonne kommt zurück, bereitet dem neuen Leben den Weg!“

Ein Poet der Franzl. Und mir dämmert es. Erstaunlicherweise verliert Franzl nicht die Geduld mit mir, sondern erklärt weiter, so als wäre es ihm wirklich wichtig, dass ich ihn verstehe. “ Schau, es geht immer darum die Magie zu erkennen. Sie zu ERLEBEN. Die Magie, die ein neugeborenes Kind ausstrahlt, ein Spinnennetz, das mit Kristallen überzogen ist. Die Magie, die eine Stimme in Form einer Verdi Arie für jemanden haben kann. Die Magie in dem Blick, der Berührung zwischen Menschen ob beim Verlieben oder Sterben . . . Magie ist nur ein anderes Wort für die Schöpfung. Das Leben, in all seinen Formen . . . und das Leben liebt die Vielfalt. Deshalb gibt es Dich und mich und SHE und die Hündin und Musik, Kunst, das Miteinander, Die Welt, den Baum, den Kosmos, Weihnachten. Alles – gleichzeitig immer auch – Magie.

Er räuspert sich. Verändert seine Haltung, ist nicht mehr die Stimme eines Wesens, das zeitlos und alles ist, sondern wieder der Rehbock aus dem innersten Salzkammergut, grinst frech und meint:“ Verstehst?“

Ja. Ich verstehe. Ansatzweise. Aber immerhin . . .

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