Muttertag . . .

Ich kann mich noch gut an den Moment erinnern, als ich mit meiner – unserer Tochter – am Gang in dem alten Klinikgebäude stand. Sie war vielleicht 2 Tage alt. Es waren davor graue Tage gewesen, voller Schneegestöber, doch an diesem Tag riss die Wolkendecke für ein paar Momente auf und Sonnenstrahlen, wie ein Scheinwerfer, fielen auf uns. Da stand ich mit diesem kleinen Wesen im Arm und mir kamen die Tränen.

Mutter Sein. Was ist das? Man spricht von natürlichen Instinkten und im Allgemeinen hat man selbst eine Mutter. Also wiederholt es sich, das Muttersein? Manchmal ist es genau das, was man nicht will – werden wie die eigenen Mutter. Und muß es tatsächlich die Mutter sein, die einem das Urvertrauen mitgibt, basierend auf bedingungsloser Liebe. Kann ein Mensch bedingungslos lieben?

Mutter Sein. Kaum jemand hat mich so gefordert und an meine Grenzen gebracht, wie dieses kleine Wesen. Und ich habe nur diese eine Tochter. Ich habe mir in mancher, hochemotionalen Situation gedacht: wäre sie ein Partner, würde ich ihn jetzt verlassen. Und! niemand hat mich mehr geprägt, als sie. Mich auch zu der gemacht, die ich heute – gerne – bin. Sie ist die beste Überraschung meines Lebens.

Was für eine besondere Beziehung, welche Erwartungen und wie viele Enttäuschungen, auf beiden Seiten. Mütter sind keine selbstlosen Übermenschen. Zumindest ich bin es nicht.

Was will ich eigentlich sagen: das ich den Muttertag, erfunden von Adolf Hitler, doof finde. Dass es einfach eine weitere Beziehung in deinem Leben ist. Das es soo oft verlogen daher kommt, diese Muttertagsgeschenke, Ausflüge und Gedichte – einmal im Jahr!

Sehen wir es positiv – zumindest einmal im Jahr gibt es den Anstoß darüber nachzudenken, wie ist das mit mir und meiner Mutter? Wie bin ich als Mutter? Wie wichtig bin ich tatsächlich – vor allem ab einem gewissen Alter . . . it takes a village to rise a child. Und ja, immer wieder die Worte von Khalil Gibran.

SHE hält sehr viel von Khalil Gibran und ich auch. So fordernd seine Worte auch sind.

Ich halte sehr viel von Menschen, die wertschätzend den Menschen um sich begegnen, sie grundsätzlich als Geschenk betrachten, wie immer sie auch daher kommen . . . und dabei sich selbst treu bleiben. Da fällt mir noch jemand ein – Karl Valentin, der gesagt hat: Kindererziehung sei sinnlos, da die Kinder eh alles nachmachen. Also geht es wohl auch hier darum, wie und was ich lebe. Was wir ihnen vorleben. Auch als der Mensch, der auch Mutter ist.

Und all die anderen, die mütterliche Freundinnen, Schwestern, Brüder, Tanten, Onkel, Väter und Freunde. Es zeichnet sich ab – ich wäre für die Erweiterung des Mutter Tages auf den DU Tag. Ein Tag für Dich. Du, die – der – Du mich magst, schätzt und für mich da bist, aus einem tiefen Respekt heraus, einer Ahnung, wer ich bin.

Dafür Danke Dir!

Und auch Dir, Mama!

Eure Kinder

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Sie sind die Söhne und die Töchter der Sehnsucht

des Lebens nach sich selber.

Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,

Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.

Ihr dürft ihnen eure Liebe geben,

aber nicht eure Gedanken,

Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.

Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben,

aber nicht ihren Seelen,

Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen,

das ihr nicht besuchen könnt,

nicht einmal in euren Träumen.

Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein,

aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.

Denn das Leben läuft nicht rückwärts

noch verweilt es im Gestern.

Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder

als lebende Pfeile ausgeschickt werden.

Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,

und er spannt euch mit seiner Macht,

damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.

Laßt eure Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;

Denn so wie er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.


Khalil Gibran
(* 06.01.1883, † 10.04.1931)

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