Im Hauseingang

Und da standen wir, drei Frauen, eine Hündin und eine unsichtbare Elefanten – Dame im Hauseingang. Völlig unerwartet.

Ich hatte das Haus verlassen, um mit dem Hund zu gehen. Ja Hunde müssen regelmäßig pinkeln. Und dieses Mal mußte sie mit der üblichen Runde vorliebnehmen. Ich war sehr in Gedanken. Etwas hatte den sorgenvollen Teil in mir getriggert. Angeschubst. Oder ehrlich gesagt, in starke Schwingung versetzt. Eine Mischung aus alleine – völlig alleine – verantwortlich zu sein und und es nicht gut zu machen. Nie gut genug gemacht zu haben und es nie gut genug machen werden zu können. Komplizierter Satz – komplizierte Situation. Und erstaunlich bedrückend.

Irgendwann im Park – die „übliche Runde“ verläuft in einem Park – habe ich SHE the elephant wahrgenommen. SHE um Hilfe, Unterstützung, Entlastung . . . was auch immer gebeten. Ich war selbst überrascht, wie hilflos ich mich fühlte. Wie überfordert. Ich hätte gedacht dieses Gefühl, dieses Thema längst abgeschlossen, aufgelöst . . . auf jeden Fall, hinter mir gelassen zu haben. Denkste.

SHE antwortete nicht.

Am Ende der „Pinkel – Runde“ ging ich schwer versunken in mein Gedanken – Karussell Richtung Eingangstür, als ich eine Nachbarin, die schwer geht, überholte. Und fast mit einer anderen Nachbarin, die eben das Haus verließ, zusammen stieß. Sie fragte, wie es geht und ich antwortete ehrlich aber oberflächlich. Schrammte das eigentliche Thema nur . . . und doch ergab sich daraus ein Gespräch. Also sie redetet, ich hörte zu. Dann erreichte uns auch noch die andere, langsam gehende Nachbarin, deren Muttersprache ich nicht spreche und sie kaum Deutsch. Mein Eindruck war bis dahin, dass sie in ihrer eigenen Welt lebt. Sie hatte mich bis dato kaum wahrgenommen. Jemand hatte einmal in Zusammenhang mit ihr von einem schweren psychischen Trauma erzählt.

Dieses Mal blieb sie bei uns stehen. Im Hauseingang. War ganz dabei. Sprach sogar mit uns in ihrer Sprache, auf ihre eigene Art. Meine Hündin näherte sich ihr ganz behutsam und sie lies es zu, freute sich. Von ihr ging so viel – ja, so blöd das klingt – aktive Wärme aus. So viel Menschlichkeit, Trost. Als wäre sie SHE the elephant. Sie diejenige, die verbunden ist mit dieser Quelle aus Ruhe und Frieden. Ich war sehr verwirrt. Und berührt.

Danach betrat ich meine Wohnung in einem völlig anderen Zustand, als ich sie verlassen hatte. Als wäre etwas von mir abgefallen. Als hätte es jemand anderer verscheucht. Oder weg geschmolzen. Wie die Sonne im Frühjahr den Schnee.

Zwei Frauen, eine Hündin und SHE hatten mich im Hauseingang etwas Wesentliches verstehen und spüren lassen – ich bin nicht alleine.

Ja – antwortete nun auch die schweigsame SHE – Du bist nicht alleine.

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