SHE mitten in der Scheisse

Manchmal kommt das Leben mit – scheinbar – nichts anderem als Scheisse daher. Schlägt Dir in die Magengrube und tritt Dir in die Beine. Und dann gehst Du in Knie und spürst für´s erste nur sie, die „Scheisse“ in Form von Angst. Todesangst. Scheisse in Form der Diagnose Krebs.

Was habe ich getan? Was habe ich nicht getan? Was habe ich nicht gesehen, nicht gelebt, nicht verarbeitet . . alles eine Katastrophe.

Auch wenn es mich nicht selbst betrifft . . Krebs ist eine Scheiss´ Diagnose. Soll ich „Scheiss“ jetzt genau definieren. Nein. Ja, ja, ich weiss – Katastrophe bedeutet auch Wendepunkt, Umwandlung. Krise ist Chance. Kein Schatten ohne Licht . . .

Im Moment kann ich das nicht denken, geschweige denn fühlen. Ich fühle ich mich wie ein Boxer, der einen harten Schlag bekommen hat,  in die Knie geht und liegen bleibt. Und nicht weiss, wie – geschweige denn wann –  er wieder auf die Beine kommt. Das Hirn setzt aus – obwohl – wahrscheinlich weil –  es so beschleunigt und man nur mehr denkt. Alle Horrorszenarien spielen sich durch. In einer Dauerschleife. Bis – ja bis wann?

Bis ich mich frage:  wo ist eigentlich SHE?

Und durch diese Frage durchbreche ich die Panik und spüre wieder. Spüre die Angst um  die Freundin, spüre eiskalte Hände. Und ich spüre sie. SHE steht neben, über mir. Sehe mich liegend und einen Elefanten stehend neben, über mir. Dir, ihr, ihm . . . Beschützend. Voller Ruhe.

Die bleibt da stehen. Bleibt bei mir. Ist bei mir. Was immer auch kommt. Läßt sich nicht irritieren. Hat keine Angst. Kennt alles. Das ganze Leben, zu dem natürlich auch der Tod gehört . . . Nur das reibt SHE mir nicht unter die Nase . . keine Belehrung. Keine Worte. Nur ruhiges Atmen. Einatmen. Ausatmen. Einatmen. . .

Irgendwann beruhigt sich der Verstand, weil ich mit IHR atme und mein Herz beginnt mit zu atmen. Herzatmung. SEHR heilsam. Denken tue ich für eine Weile gar nicht. Alles was ich bin –  konzentriert sich auf SHE. Auf etwas das mit der Ewigkeit verbunden ist. Ich reise hinaus in die Welt, über Berge und Seen, tauche mit Walen und segle durch den Kosmos. Und kehre zurück ins Hier und Jetzt. Ich sitze wieder, mein Rücken an ihr Bein gelehnt . . oder ist es ein Baum? Egal. Baum, Freund, Elefant . . . Hunde nicht zu vergessen!

Mein Herz verbindet sich mit dem Verstand und meinem Körper und mit ihr. Und wir atmen gemeinsam. Und das werden wir weiterhin machen. Denn SHE ist da. Und verbreitet damit Frieden. Ruhe. Zuversicht. Mitten in der Scheisse.

Ein anderer Großer hat das auch gemacht. Er sagte:  ich bin bei Euch –  alle Tage – bis ans Ende der Welt.

Diese Kraft befähigt mich es wieder zu sehen, zu wissen, zu fühlen . . dass Krisen Chancen sind. Und Katastrophen Wendepunkte. Und die Scheisse ein Lehrmeister.

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