kind zu sein

Nein, ich meine nicht das Kind – deutsch – Substantiv. Sondern das Adjektiv. Das englische „kind“ ist so viel mehr als nett. To be kind bedeutet für mich neben freundlich auch höflich, großzügig zu sein. Vielleicht sogar offen im Sinne einer offenen, erwartungsfreien Haltung. Ich wünsche mir das, auch von mir selbst, weil ich mich frage, wie sonst können wir uns begegnen . . . um nicht alles gegen die Wand zu fahren. Im Kleinen wie im ganz Großen.

Ja, es ist leicht offen und freundlich und angenehm der Welt und meiner konkreten Umwelt gegenüber zu sein, wenn diese schön und freundlich ist und meinen Vorstellungen entspricht: optisch, inhaltlich und überhaupt.

Was wenn sie das nicht tut. Wenn sie anders ist. Oder sogar ganz anders, so wie ich es nicht mag – wenn sie schlecht riecht, auch inhaltlich. Was dann? Gilt es dann un-nett zu sein? Die Differenzen klar anzusprechen oder einfach nur aggressiv zu sein? Ich kann aggressiv schweigen . . . und dann gehen. Very kind, I know.

SHE meint: „Immerhin.“

„Immerhin was?“, frage ich.

„Immerhin weißt du es. Du denkst darüber nach und darin steckt ja vielleicht auch der Wunsch, dich in Sachen Kindness weiter zu entwickeln. Egal ob langsamen Mitarbeiter:innen an der Supermarkt Kassa gegenüber, dem Autofahrer vor Dir oder der Bekannten, die die Welt so anders sieht.“

Ich wende ein, dass Freundlichkeit auch ihre Grenzen hat.

SHE ist sich da nicht so sicher und meint, dass ich vielleicht freundlich mit nachgiebig, Konflikt vermeidend verwechsle? „Beginn doch in scheinbar leichten Situationen, zu üben. Und dann steigerst Du dich, bis hin zu kind und doch klar. Im Idealfall bist Du dann authentisch.“

Ich kann an ihren Augen erkennen, dass sie lächelt. SHE ist unverbesserlich. Unverbesserlich kind.

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