vom Irrtum, allein zu sein

Geht es Dir auch manchmal so, dass Du denkst, Du bist der einzige Mensch auf diesem Planeten mit diesem Problem, dieser Herausforderung, in einer solchen Situation? Es fühlt sich zumindest so an.

Mir passiert das manchmal. In Zeiten wie derzeit, wenig Sonne, viel Schnee oder Regen, wenn ich bei Dunkelheit die Wohnung verlasse und bei Dunkelheit nach der Arbeit wieder Heim komme, fühlt es sich besonders so an. Die Einsamkeits-Keule schlägt zu. Und dann ziehe ich mich aus zurück. Manchmal ist das ja gut und notwendig, manchmal ist es nicht gut, sondern einfach die Bestätigung einer inneren Erwartungshaltung: Ich bin alleine.

Und natürlich bin ich dann auch allein mit meinen Gedanken, aus denen dann auch schnell Sorgen werden können. Oder Vorwürfe. Ja auch Selbstvorwürfe.

Natürlich könnte ich einfach jemanden anrufen – ich habe Freunde! – tue ich aber dann nicht. Ich könnte auch ins Kino gehen, mit jemanden auf ein Bier, einen Tee . . what ever. Tue ich aber nicht. Ich suhle mich in meinem – „Gott, bin ich allein“ Gefühl. Schön blöd. Ich weiß.

Meint SHE auch. Und SHE meint auch noch, dass das eine sehr verschrobene Art ist, sich wichtig zu machen. Besonders, Speziell. . . . so nach dem Motto, „ich bin so besonders – mich versteht ja eh keiner. Also bleibe ich besser für mich.“

Eh klar, meinte SHE. Es gibt keine weitere Mutter auf diesem Planeten, keine zweite Alleinerziehende, NIEMANDEN, der mit seinem Job nicht super glücklich ist. Auch keine zweite Seele, die sich manchmal über sich selbst ärgert, weil sie nicht in die Gänge kommt. Nicht so konsequent ein Ziel verfolgt, wie sie sich das ausgemalt hat zu Silvester . . . Auch keinen einzigen zweiten Single auf dieser Erde, gibt es. Du tust mir echt leid, sagt SHE, schüttelt den großen Elefantenkopf und verschwindet im Park.

Und ich denke mir,  aber die einzige mit einem unsichtbaren Elefanten, bin ich!

Und mein voll integriertes inneres Kind stampft mit dem Fuss auf, weil es beleidigt ist. Weil es von seinem Sockel der einsamen Einzigartigkeit geschubst wurde. Von einem spirituellen Wesen! Es ist doch wirklich auf nichts mehr Verlass´.

Beleidigt stapfe ich also weiter durch den Park, auch meine Hündin hält Abstand, und schmolle. Und da passiert es, als ich dann doch wieder meinen Kopf hebe und den Blick schweifen lasse: SHE the elephant taucht wieder auf und kommt auf mich zu, quer über eine verschneite Wiese im Park. Aber SHE ist nicht allein. Ich kann es kaum glauben, aber sie hat tatsächlich vier, fünf andere Elefanten dabei! Elefanten! Auch das noch! Es gibt also doch mehr als einen eigentlich unsichtbaren Elefanten! Und sie kommen alle auf mich zu, kommen näher und näher – jetzt wird es mir doch etwas unheimlich – und bilden einen Kreis um mich. SHE berührt mich mit ihrem Rüssel an meiner Schulter und sagt, ich solle die Augen schließen und jeden einzelnen Elefanten bewußt wahrnehmen. Spüren. Jeden einzelnen. Und dann mich selbst.

Und ich spüre SHE. Und jeden einzelnen. Jeder hat eine eigene Ausstrahlung. Und jeder ist besonders. Und dann spüre ich mich selbst. Seit langem wieder einmal . . . und ich spüre die Energie, die Wärme, die Anwesenheit dieses Etwas, das uns alle umgibt, trägt . .  . Plötzlich tauche ich in Gedanken wieder ein in den spät sommerlichen See, seine Tiefe und spüre sie, die Wärme und das Licht der Sonne, das sich im Wasser bricht . . . Und ich verstehe. Selbst im regnerischen, kältesten Winter, ist er da, der Sommer. Wie auch fünf!, unsichtbare, spirituell begabte Elefanten da sind.  Um mir klar zu machen, ich bin nicht alleine. Sie sind nicht alleine. Niemand. Nie.

Du übrigens auch nicht.

P.S.     Meine Hündin meint, kein Wesen ist für´s allein Sein gemacht. Nicht einmal Steine. Die liegen auch haufenweise herum . . .

 

 

 

 

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