Ich bin hier

Wieviele Tränen verträgt eine Computer-Tastatur habe ich mich gefragt, und deshalb den Text nicht in den letzen Tagen geschrieben. Meine Hündin Resa ist tot. Ich musste sie letzten Donnerstag einschläfern lassen.

Ganz unbemerkt ist in den letzten Monaten ein Milz Tumor in ihr gewachsen und hat massive Metastasen in der Lunge gebildet. Das alles ging wohl sehr schnell und sie hatte erst in den letzten Tagen Probleme zu atmen.

SHE war am Ende auch dabei. Neben mir in diesem kleinen, stillen Raum der Tierarztpraxis. Ich habe mich in diesem Raum, mit der toten Hündin auf dem Behandlungstisch gefragt, wohin sie jetzt geht? Ich muss sie zurück lassen, dachte ich. Allein. Das Gesetz in einer Stadt erlaubt es nicht, den Hund mitzunehmen und irgendwo zu begraben. Vielleicht im Park. . . das wäre schön. Nein, sie würde kremiert werden mit anderen Haustieren. Und ich musste noch mehr weinen. Erst zu diesem Zeitpunkt bemerkte ich SHE, die meinte: Ich bleibe bei ihr. Das hat geholfen, mir und Resa, glaube ich.

Später meinte jemand, dass gemeinsam mit anderen Hunden verbrannt zu werden doch gar nicht schlecht ist – eben eine Rudel-Bestattung.

Wir waren auch ein Rudel, oder?, frage ich SHE. Ja. Das bleiben wir auch.

Ich gehe die Runde durch den Park heute „nur“ mit SHE, denke ich. Zu Beginn bei Regen und Wolkenhimmel. Und ja, mir kommen die Tränen. Ansonsten sind wir beide sehr still und gehen nebeneinander her. Irgendwann bleibe ich stehen und wende mich an SHE: Was denkst Du, wo sie jetzt ist?

So plötzlich, dass ich beinahe erschrecke, steht auch Franz von Walden bei uns und meint, für seine Verhältnisse sehr liebevoll: Mädel! Die Resi kann jetzt sein, wo sie will. Kann dorthin und hierhin gehen, wie wir Eoischen das eben können.

Und wohin wollte sie?, frage ich fast schüchtern, in der Annahme, dass sie sich in einen ganz wunderbaren Hundehimmel gewünscht hat, weit weg an einen warmen, feinen, paradiesischen Ort. Da stehen sie vor mir, die beiden so unterschiedlichen, unsichtbaren großartigen Wesen und sehen mich direkt an. Und lächeln.

Ach Mädel!, meint Franz, jetzt doch mit einem Schuss Erstaunen, wie jemand so begriffsstutzig sein kann. Ich verstehe nicht . . . SHE berührt mich mit dem Rüssel ganz leicht an der Wange und dreht so meinen Kopf Richtung Weg, der vor mir liegt. Und da steht sie, die Hündin, sieben Meter vor mir. Als wäre sie einfach vorgelaufen, hätte wie immer den Weg vorab beschnuppert. Und sie hat es wohl wie immer bemerkt, wenn ich nicht nachkomme und ist stehen geblieben. Ganz entspannt schaut sie zurück zu mir und meint: Ich bin hier.

P.S. Resi meinte, es wäre nicht schlecht uns Menschen nochmal daran zu erinnern, wer die Eoischen sind, . . . ihr Menschen seid so vergesslich, wenn es um die wichtigen Dinge geht. Und SHE und Franzl haben zugestimmt.

Sie haben recht. Was, wer ist Dir wichtig?

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