Wenn ich so wie heute lange Zeitung lese – in meinem 2 Fall Standard und Falter – dann schlage ich irgendwann die erste Seite zu. Ja, ich beginne immer von hinten . . . Und ich fühle mich erschöpft, beunruhigt – und sorry – angeekelt. Rutschen wir wirklich wieder in eine rechte, demokratiefeindliche Welt, die den Kapitalismus verherrlicht und auf das Klima – nochmals sorry – scheisst?
Ich bin also nach der „morgendlichen Lektüre“ alles andere als beschwingt. Wobei, etwas tröstet mich, ich habe mir bereits auf Empfehlung der Kulturseiten zwei Bücher bestellt.
Doch wohin führt die Reise – gesellschaftlich und somit auch persönlich gedacht? In ein neues Biedermeier, in dem ich daheim sitze und Bücher lese und manchmal spazieren gehe, begleitet von einer unsichtbaren Elefantendame und einer verstorbenen Hündin?
„Nein“, meint SHE. Sehr laut für ihre Verhältnisse. Und auch der Rehbock Franz von Walden steht – größer als ansonsten – mitten im Raum. Er schüttelt den Kopf, stimmt SHE zu und schimpft mich, anders kann ich das nicht beschreiben: „Spinnst du!? Das kann es ja wohl nicht sein, dass du den Schwanz einziehst!“ Welchen Schwanz, frage ich mich und möchte mich nochmals entschuldigen, wir sind hier wohl heute alle etwas aufgebracht.
SHE meint etwas versöhnlicher: „Denk an Alfried.“ Alfried Längle, dessen Vortrag ich vor ein paar Tagen hören durfte. Einer, der Viktor Frankl – Holocaust-Überlebender, Psychotherapeut und so vieles mehr – noch persönlich kannte und mit ihm zusammenarbeitete um u.a. die Existenzanalyse als Psychotherapie – Form zu entwickeln. Sie bietet einen wohlwollenden, mutmachenden ganzheitlichen Blick auf den Menschen. Und er bot 90 Minuten freundliche, wertschätzende, intelligente Wärme.
„Und Dir einen solchen Blick auf dich selbst und die Welt“, ergänzt SHE. Da sitze ich also in meinem Wohnzimmer, umgeben von Zeitungspapier, ja ich gehöre zu den Leuten die Zeitungen „zerlegen“, einer afrikanischen Elefantendame und einem Rehbock aus dem innersten Salzkammergut und frage mich, entsprechend den 4 Grundmotivationen der Existenzanalyse: Kann ich Ja zur Welt sagen? Ja zum Leben? Ja zu mir – meinem Selbst und finde ich einen Sinn in all dem?
Ich bin also heute noch gut beschäftigt.
„Keine Sorge Mädel, du bist ja nicht allein in all dem. Des kriang ma scho“, so Franzls Kommentar. Und ich lächle. Ehrlich und so zusagen von Herzen. Zum ersten Mal heute nach all der Lektüre. „Und allein deshalb kann ich Ja zur Welt und zum Leben sagen. Zu meinem Leben ganz konkret“, schießt es mir durch den Kopf . . . weil ich nicht allein bin. Und ich habe nicht nur unsichtbare Freund:innen sondern auch viele sichtbare. Mit einer bin ich heute noch zum Spazierengehen verabredet. Und ich nehme Euch alle mit, beschließe ich. Unsichtbare, Sichtbare, Scheinbar Erfundene oder ganz Reale, Angeblich Verstorbene, Lebende und Zukünftige, Dich von ganz weit weg und Dich von nebenan! Wir gehen hinaus und werden sichtbar! Das wird ein bunter, guter, lebensfroher, mutiger Spaziergang, mit ganz vielen verschiedensten Wesen, freue ich mich und werde in der Sekunde von SHE und Franzl korrigiert: Kein Spaziergang – eine Demonstration!
Du bist herzlich eingeladen!