Wozu tauchen Elefanten?

Ich wache auf mit dem Bild eines tauchenden Elefanten. Ich weiß, Elefanten können schwimmen. Und wie ich eben nachgelesen habe, auch tauchen. Doch wieso taucht SHE? Weil es Sommer ist und heiß?

Nein, irgendetwas ist anders. Ich kann auch nicht sagen, ob der tauchende Elefant ein Mini Elefant in einem Wasserglas ist oder tatsächlich SHE the elephant, die Große, eigentlich Unsichtbare in einem Pool, dem See? Und ganz plötzlich und völlig unerwartet kommen mir Tränen. SHE taucht in unserer Verletzlichkeit, in all den Tränen, die nicht geweint werden, weil das, was da eben verletzt wurde nicht gebrochen ist wie ein Knochen, sondern „nur“ Gefühle waren. Können Gefühle brechen?

Die Frau in der kleinen Küche, vor dem Kühlschrank, die so tapfer im Kopf ihre Ehe analysiert und hofft. Als sie gefragt wird, „Und wie geht es Dir, wenn Du nicht denkst?“, kommen ihr die Tränen. Der Mann, der einen langjährigen Freund verabschiedet hat und ihm nicht gesagt hat, was er eigentlich sagen wollte. Wenn Du mit Blicken seziert wirst, gefühlt, mit einem stumpfen Skalpell . . . Nein, das fühlt sich nicht gut an. Und in dieser Aussage: das fühlt sich nicht gut an, steckt schon der Umgang mit Verletzlichkeit. Darüber hinweg gehen. Abtun. Weitermachen, als wäre nichts gewesen. Passt schon. Ich weiß, das ist auch das Leben, Überleben. Und doch gibt es da einen See aus Verletzlichkeit in uns, entstanden aus den nicht geweinten Tränen, den nicht einmal mir selbst gezeigten Gefühlen.

SHE sagt, die Seen in Männern sind oft noch größer. Geht es darum das zu ändern, sich verletzlich zu zeigen, in der Sekunde los zu schreien? Besteht dann Überschwemmungsgefahr in Ehen, Freundschaften?

SHE sagt: es geht um Dich.

Kein öffentlicher Seelen-Striptease also. Keine zur Schau Stellung, sondern ich in meiner Lebenslandschaft. Ich sehe SHE, weiter hinein, hinunter tauchen und verstehe: SHE tritt tatsächlich gegen den Damm. Die Wand in mir. Und dann entstehen Risse, das Wasser sickert aus, zuerst langsam. Dann knackt etwas laut. Gefühle können also doch brechen? Oder war es diese Wand in mir? Alles geht ganz schnell und das Wasser bricht durch die Wand. Ja, Überschwemmung.

Wohin das Wasser, die Tränen fließen, frage ich SHE. In das Land, das Du bist. Es ist heilsames, fruchtbares Wasser, ähnlich der Überflutung damals am Nil. Ohne diese Feuchtigkeit kein Leben. Nicht Dein Leben.

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