Der Raum dahinter

Gestern war ich in einem Konzert. In einer Kirche, soviel zum Raum. Hoch, der Grundriss mehr ein gleichschenkeliges Kreuz und vor allem weiß. Viele weiße Wände, Decken . . . schön, meinem Gefühl nach. Die Musik – zeitgenössische „Klassik“, eine Welt die mir fremd ist und dennoch wollte ich das hören. Genau, um es kennen zu lernen.

Doch, wie soll ich sagen, ich habe zu viel gedacht. Was ich alles „loslassen“ soll, nicht erwarten, nicht hören, dass ich offen sein soll. . . Das passierte alles im Kopf. Klar geworden ist mir das erst eben jetzt.

Ich verstand auch eben erst, dass SHE mit im Konzert war. Ich habe sie leider nicht gesehen, doch es muss ein schöner Anblick gewesen sein – eine große, graue, unsichtbare Elefantin in einem großen, weißen Raum.

Während des Spaziergangs heute morgen mit der Hündin und SHE hat sie mich an die Aussage meines Freundes erinnert, der nach dem Konzert begeistert meinte, dass das jetzt besonders war, weil er hinein gekippt ist – dank der Musik, „in den Raum, hinter dem Denken“.

Also in den Raum hinter dem Verstehen, Analysieren, Einordnen, Bewerten . . . denke ich.

Ich bin in genau diesem Raum hängen geblieben, natürlich mit dem Vorsatz, all das eben NICHT zu tun, doch das mit dem NICHT funktioniert so nicht. Wie ich – wir? – doch in unserem Kopf verstrickt sind! Selbst wenn wir uns ganz aufrichtig und ernst vornehmen, es nicht zu tun!

SHE lächelt und meint, dass man/frau es üben kann, das absichtslose Dasein. Und SHE fragt mich, was mir dabei hilft? In dem Moment stehen wir unter einer großen Linde im Park, ihr Schatten tut gut und ich spüre den Wind . . . ja, das ist ein Zugang zum, wie meinte SHE „absichtslosen Dasein“: Wind auf der Haut. Selbst Wind im Ohr . . . denn da waren gestern Momente in der Musik von Gérard Grisey, die wie Wind klangen. Und in diesen Momenten näherte ich mich meinem inneren Tor Richtung Absichtslosigkeit. Fühlt sich gut an, selbst nur in diese Richtung zu gehen . . .

Und jetzt lese ich im Programmheft, das eben dieses Stück „Quatre chants pour franchir le seuil“ heißt – Vier Gesänge um die Schwelle zu überschreiten. Spannend, oder?

. . . als wäre alles mir allem verwoben, ich, Du, Musik, Geschichten, der Wind, Begegnungen . . . und das meiste davon unsichtbar. So ein Glück für uns, eine Freundin aus dieser unsichtbaren Welt zu haben.

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